Die Bahnindustrie steht bereit, gemeinsam mit Bund, Ländern und schienenfahrzeugbeschaffenden Stellen den SPNV zukunftsfest zu gestalten. Dazu braucht es eine neue partnerschaftliche Beschaffungskultur – basierend auf Vertrauen, Planungssicherheit und industrieller Vernunft. Nur so lassen sich die ambitionierten Ziele der Mobilitätswende und Klimapolitik erreichen – wirtschaftlich, wirksam und im Sinne der Fahrgäste.
Der SPNV leistet einen bedeutenden Beitrag zum Umweltschutz, zur Entlastung der Straßen, zur Daseinsvorsorge und zur sozialen Gerechtigkeit. Und er boomt: Allein zwischen 2010 und 2023 ist die Anzahl der beförderten Fahrgäste um etwa 18 % auf 2,6 Milliarden angestiegen, während die Verkehrsleistung um etwa 25 % zugenommen hat. Dank neuer Initiativen wie dem Deutschlandticket nutzen so viele Menschen wie nie zuvor den SPNV. Doch mit dem Erfolg wachsen auch die Herausforderungen.
Aktuell wird der SPNV von 27 Aufgabenträgern für 16 Bundesländer organisiert – mit 241 Verkehrsverträgen, über 65 Eisenbahnverkehrsunternehmen, 737 Millionen Zugkilometern und über 5.300 Stationen. Diese Vielfalt bringt komplexe Anforderungen mit sich, die eine effiziente Standardisierung von Schienenfahrzeugen und Services erschweren. Während in der Vergangenheit S-Bahn-Züge wie der ET 423 überregional standardisiert waren, ist heute Vielfalt zu sehen: In Städten wie München, Köln, Stuttgart und Frankfurt werden künftig unterschiedliche Zugmodelle eingesetzt, was die Kosten erhöht und die Effizienz mindert. Und ein Blick in die Zukunft offenbart eine bevorstehende Mammutaufgabe, wenn bei aktuell mehr als 6.200 Schienenfahrzeugen im SPNV bis 2038 mehr als 2.100 Schienenfahrzeuge durch Modernisierungen oder Neubau bereitgestellt werden müssen.
Die Bahnindustrie plädiert dafür, den SPNV der Zukunft gemeinsam zu optimieren, indem schienenfahrzeugbeschaffende Stellen schon jetzt daran arbeiten, ab 2030 verstärkt funktionale Lastenhefte auszuschreiben und die technischen Details sowie deren Ausgestaltung den Herstellern zu überlassen. Eine höhere Standardisierung erlaubt es, kostengünstigere Schienenfahrzeuge zu entwickeln und gleichzeitig Raum für Innovationen zu schaffen. Individuelle Lösungen bleiben möglich, sollten aber mit entsprechenden Rahmenbedingungen verbunden sein, die dem erhöhten Aufwand mit längeren Lieferzeiten und höheren Preisen Rechnung tragen. Nur durch diese Balance können Steuergelder nachhaltig und im Sinne der Fahrgäste eingesetzt werden.
Das vorliegende Weißbuch dient als Handreichung für alle Stakeholder. Es soll zeigen, wie der SPNV gemeinsam weiterentwickelt werden kann: pragmatisch, standardisiert und zukunftsorientiert. Lassen Sie uns gemeinsam die Mobilität der Zukunft gestalten – effizient, nachhaltig und im Dienst der Fahrgäste.