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Öffentliche Ausschreibungen: Innovationsfreundlich gestalten

Technologien der Bahnindustrie in Deutschland sind hochinnovativ und setzen weltweit Maßstäbe. Doch ausgerechnet im Heimatmarkt setzen sich die Innovationen teils nur langsam durch. Grund sind starre und rein auf Anschaffungspreis fixierte Vergabe-verfahren. Die Politik ist gefordert, das öffentliche Vergaberecht zu modernisieren. Deutschland brauch eine eine innovative Vergabekultur.

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Innovationen schneller in den Markt bringen

Wenn sie neue Fahrzeuge anschaffen wollen, müssen sie daher öffentlich ausschreiben. So soll sichergestellt werden, dass Auswahlprozesse fair ablaufen und kein Anbieter bevorzugt wird. Das System ist sinnvoll, doch teils zu unflexibel. Denn oft wird in den Ausschreibungen nach dem Billigst- und nicht Best-Anbieter Prinzip entscheiden.
Die Folge: Innovative oder besonders umweltfreundliche – aber meist deutlich teurere – Technologien kommen kaum oder nur sehr verspätet im Markt an. Deutschland verspielt damit die Chance, seiner Vorreiterrolle in Sachen Hochtechnologie gerecht zu werden.

Vergabeverfahren modernisieren

Es ist höchste Zeit, die Ausschreibungsverfahren zu überarbeiten. Es gilt, Innovationen schneller auf die Schiene zu bringen. Konkret:

  • Lebenszyklen miteinbeziehen: Neue Technologien verbrauchen oft deutlich weniger Energie oder können einfacher gewartet werden. Die dadurch gesparten Kosten müssen in der Preisbewertung berücksichtigt werden. Das Vergaberecht bietet diese Möglichkeit – sie muss jedoch künftig konsequenter genutzt werden.
  • Qualitative Kriterien stärker gewichten: Bereits heute gibt es die Möglichkeit, in Vergabeprozessen qualitative Kriterien wie Umweltfreundlichkeit oder Innovationsgrad angemessen zu bewerten. Dies wird allerdings in den seltensten Fällen genutzt. Das Vergaberecht sollte künftig eine stärkere Gewichtung solcher Kriterien verbindlicher festlegen – ideal wären fünf bis zehn Prozent.
  • Intelligente Wartung fördern: Züge werden bislang in festgelegten Zeitintervallen gewartet. Digitale Technologien verändern dies und machen eine zustandsabhängige Wartung möglich. Ausschreibungen sind Stellschrauben, um neue Ansätze zu befördern. Etwa kann es sinnvoll sein, die Instandhaltungsverantwortung über viele Jahre beim Hersteller zu belassen.

Automatisiertes Fahren: Auf der Schiene längst Realität

Was im Luft- und Straßenverkehr noch in weiter Ferne liegt, ist auf der Schiene seit Jahren State-of-the-Art.
In Deutschland müssen anstehende Ausschreibungen genutzt werden, um Themen wie  Automatisierung hierzulande zu forcieren.

Gewinn für alle

Mit klugen Vergaberegeln kann die Politik dafür sorgen, dass Innovationen sich schneller im Markt verbreiten. Davon kann Deutschland doppelt profitieren. Erstens: Das Land wird den besten Schienenverkehr weltweit bekommen – effizient, klimafreundlich und komfortabel. Zweitens: Deutschland wird zum Leitmarkt für Schiene 4.0. Das stärkt die führende Stellung der hiesigen Hersteller auf den Weltmärkten – und zugleich ihren Beitrag für Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland.

Downloadhinweis Politikbrief 01/2018
Dieser Artikel ist im VDB-Politikbriefes 01/2018 erschienen. Hier können Sie die vollständige Ausgabe als PDF herunterladen.

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