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VDB-Politikbriefe Schwerpunkt

Kernaufgabe der Bundesregierung: Koalitionsvertrag zügig umsetzen!

Deutschland hat sich zu den CO2-Minderungszielen von Paris bekannt. Mit Recht. Doch ausgerechnet der Verkehr ist das größte Sorgenkind. Mit einem Plus von 3,4 Prozent belegt er den unrühmlichen Spitzenplatz. Die Zahlen unterstreichen, dass die Bundesregierung die Verkehrswende endlich angehen muss. Die Schiene bietet entsprechende Lösungen. Die richtigen Weichen sind im Koalitionsvertrag gestellt. Nun gilt es diese zügig und tatkräftig umzusetzen. Die vier wichtigsten Punkte, um den nachhaltigen „Klimaschutz-Verkehrsträger“ zu stärken:

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1. Digitalisierung: Mit Volldampf voranbringen

Digitale Technologien revolutionieren den Schienenverkehr. Sie bieten enormes Potenzial für mehr und besseren Schienenverkehr. Zwei Beispiele:

  • Digitale Stellwerke: Stellwerke regeln Weichen und Signale und bestimmenGeschwindigkeit, Bremsvorgänge und Zugabfolgen. Digitale Technologien tun dies in bislang ungekannter Präzision. Bis zu 40 Prozent mehr Verkehr auf der bestehenden Schieneninfrastruktur ist dadurch möglich. Zugleich sinkt der Energieverbrauch durch effizienteres und vorausschauendes Fahren. Allerdings: Nur zwölf Prozent der Stellwerke in Deutschland sind bislang digital, der Rest stammt teils aus Zeiten vor dem ersten Weltkrieg – Schiene 4.0 braucht auch Stellwerke 4.0.
  • Vorausschauende Wartung: Bislang werden Fahrzeuge in festgelegten Intervallen gewartet. Digitale Technologien ermöglichen heute eine kontinuierliche vorausschauende Wartung. Digitale Sensoren und Kameras der Strecke prüfen den Zustand von Zügen und melden Verschleiß sowie Reparaturbedarf. In die Werkstatt kommen nur noch Fahrzeuge, bei denen tatsächlich ein Wartungsbedarf besteht. Dies macht den Zugverkehr für Betreiber besser planbar und effizienter – und für Nutzer noch zuverlässiger und attraktiver.

Die Umrüstung auf moderne digitale Technologien ist teuer. Hier ist der Bund gefragt: Er muss dafür Sorge tragen, dass Neubaustrecken fristgerecht ausgebaut und mit digitalen State-of-the-Art-Lösungen und innovativen Systemen ausgestattet werden.

Text Abb. 18.01

Verkehrssektor bremst Klimaschutz aus

Seit 25 Jahren kommt der Verkehrssektor in Sachen Emissionsreduktion keinen Schritt voran.


2. Innovationsförderung: Pilotprojekte realisieren

Die deutsche Bahnindustrie ist hochinnovativ. Doch damit sich internationale Investoren und Kunden von dem Pioniergeist überzeugen können, müssen sie neue Technologien real erleben und testen. Schwerpunkte von Pilotprojekten sollten sein:

  • SPNV: Der hochinnovative Schienenpersonenfernverkehr (SPNV) hat das Potenzial, zu einem Leuchtturmprojekt mit internationale Strahlkraft zu werden. Bund und Länder sollten Pilotprojekte für die Schiene 4.0 im SPNV unter Realbedingungen unterstützen.
  • Elektromobilität auf der Schiene: Innovative Technologien wie batterie und brennstoffzellenbetriebene Züge eröffnen völlig neue Chancen für klimaschonende Mobilität. Sie brauchen gezielte Markteinführungsimpulse. Pilotregionen, in denen infrastrukturelle Lösungen, Erprobung und realer Betrieb gelingen, stärken den Markthochlauf.
  • Automatisierter Güterverkehr: 2017 wurde im Rangierbahnhof München-Nord mit der Umsetzung  eines Piloten zum Aufbau eines ersten Testfeldes für Digitalisierung und Automatisierung der Zugbildung im Schienengüter-verkehr begonnen. Weitere Pilotprojekte zum automatisierten Rangieren und Umschlagen müssen folgen.

Mehr Schienenverkehr – mehr Klimaschutz

Weniger als ein Prozent der EU-weiten Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto des  Schienenverkehrs. Und das, obwohl die Schiene 16 Prozent des Personen- und 6 Prozent des Güterverkehrs abwickelt.

 

 


3. Güterverkehr: Eingeschlagenen Weg weitergehen

Im Schienengüterverkehr hat die letzte Bundesregierung bereits zwei wichtige Entscheidungen getroffen, die nun auszuweiten und mit Leben zu füllen sind:

  • Schienenlärmschutzgesetz: Ab 2020 sind laute Güterwagen endgültig verboten. Der Schritt war dringend nötig, um in der Bevölkerung die Akzeptanz für mehr Schienengüterverkehr zu erhöhen. Die Regierung mussweitergehen, etwa mit dem – vom VDB vorgeschlagenen – bereits beschlossenen Innovationsbonus für Nachrüstungen und superleise Neufahrzeuge sowie mit strengeren Grenzwerten nach 2020.
  • Masterplan Schienengüterverkehr: Der Mitte 2017 vom Verkehrsministerium vorgelegte Plan schlägt konkrete Maßnahmen für einen innovativen und effizienten Güterverkehr vor. Neben einer deutlichen Senkung der Trassenpreise, unter anderem ein Testfeld für die Digitalisierung des Schienengüterverkehrs. Die Maßnahmen müssen von der Bundesregierung und dem Sektor umgesetzt werden. Der begonnene Prozess des Runden Tisches bietet dafür eine exzellente Grundlage.

Deutschland knausert beim Schienennetz

Das deutsche Schienennetz ist veraltet. Kein Wunder: Kaum ein anderes europäisches Land investiert pro Einwohner so wenig in die Infrastruktur.


4. Europa: Mit ETCS Europa auf der Schiene endlich verwirklichen

Der Schienenverkehr endet nicht an den Landesgrenzen. Deutschland ist als geografischer Kern des europäischen Zugnetzes für einen reibungslosen, grenzüberschreitenden Verkehr besonders gefordert. Zu oft wird der Verkehr über Stunden behindert, da die Leit- und Sicherungssysteme zweier Länder inkompatibel sind und in Folge etwa Lokomotiven ausgetauscht werden müssen. Abhilfe schafft das European Train Control System (ETCS). Dieser einheitliche Standard soll die bislang mehr als 20 unterschiedlichen Systeme in Europa ablösen. Mit ETCS ist es Europa gelungen, einen weltweiten Zukunftsstandard der digitalen Zugsteuerung zu entwickeln. Selbst Länder wie China oder Australien rüsten längst auf die Technik um. Auch in der EU sollen bis spätestens 2020 die Hauptstrecken, bis 2023 rund 80 Prozent des Schienennetzes und danach perspektivisch das gesamte Netz umgerüstet sein. Doch der Zeitplan ist kaum noch zu halten, größter Bremser ist Deutschland:
2016 war nur ein Bruchteil des insgesamt 34.000 Kilometer um-fassenden Schienennetzes umgerüstet. Die Bundesregierung muss, wie im Koalitionsvertrag festgehalten, in ETCS investieren, um Europa auf der Schiene zu verwirklichen.

Downloadhinweis Politikbrief 01/2018
Dieser Artikel ist im VDB-Politikbriefes 01/2018 erschienen. Hier können Sie die vollständige Ausgabe als PDF herunterladen.

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