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Bahnindustrie im ersten Halbjahr 2014 mit Umsatzplus / Finanzierung des SPNV droht zur Manövriermasse zwischen Bund und Ländern zu werden

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Der Umsatz der Bahntechnikhersteller in Deutschland stieg im ersten Halbjahr 2014 um 18 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Mit knapp 37 Prozent wuchs das Auslandsgeschäfts besonders kräftig. Die Auftragseinänge gingen nach den Rekordbestellungen des Vorjahres zwar um fast 37 Prozent spürbar zurück, bewegten sich aber mit 5,6 Milliarden Euro auf einem soliden Niveau. Die Zahl der Beschäftigten stieg leicht um 1,5 Prozent auf 51.100 Mitarbeiter. 

„Nachdem die Bahnindustrie im vergangenen Jahr einen rückläufigen Umsatz bei gleichzeitigen Rekordbestellungen verzeichnen konnte, sehen wir nun, dass der Umsatz erwartungsgemäß anzieht. Wir stellen eine moderate aber solide Entwicklung im ersten Halbjahr dieses Jahres fest“, erklärte der Präsident des VDB, Martin Lange, bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz in Berlin. „Aufgrund des hohen Auftragsbestands und der Abrechnung von Aufträgen, die bislang noch nicht abgeschlossen werden konnten, ist die jetzige Entwicklung deshalb nur folgerichtig.“

Gerade das Auslandsgeschäft mit Zügen, Lokomotiven und deren Komponenten lohnte sich für deutsche Hersteller. Es stieg um 50 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2013 auf 2,1 Milliarden Euro. Aber auch das Inlandsgeschäft legte in diesem Segment um knapp zwölf Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zu. Einmal mehr auf niedrigem Niveau zeigte sich der Umsatz für Infrastrukturausrüstungen, wie Gleise, Weichen, Streckenelektrifizierungen und Stellwerke. Er ging um knapp acht Prozent auf magere 1,2 Milliarden Euro zurück. Gut Dreiviertel ihres Umsatzes erreichte die Branche mit Schienenfahrzeugen und deren Komponenten, rund ein Viertel geht auf Infrastrukturausrüstungen zurück.

„Gemessen am Vorjahreszeitraum 2013 sind die Auftragseingänge in den ersten sechs Monaten dieses Jahres insgesamt deutlich zurückgegangen“, sagte Lange. Die Bahnindustrie erreichte ein Bestellvolumen von 5,6 Milliarden Euro. Die Bestellungen bewegen sich auf dem moderaten Niveau des Jahres 2012. Die In- und Auslandsbesellungen hielten sich mit jeweils 2,8 Milliarden Euro die Waage. Trotz erhöhter ausländischer Nachfrage nach Infrastrukturausrüstungen bewegt sich dieses Geschäft  mit insgesamt 1,6 Milliarden Euro nach wie vor auf zu niedrigem Niveau. Als entäuschend erweist sich einmal mehr die schwache Inlandsnachfrage, die wie in den Vorjahren bei 800 Millionen Euro liegt. „In den Ersatz von Infrastrukturausrüstungen muss endlich mehr investiert werden als bisher, um im bundeseigenen Schienennetz nicht weiter auf Verschleiß zu fahren“, forderte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Ronald Pörner.

In diesem Zusammenhang monierte er die Unterfinanzierung der Schieneninfrastruktur in Deutschland: „Der anhaltende Investitionsstau ist inzwischen eklatant“, sagte Pörner. Deswegen ist es umso wichtiger, das im Rahmen der neu abzuschließenden Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung für das Schienenbestandsnetz eine deutliche Erhöhung der Finanzmittel für Ersatzinvestitionen auf eine Größenordnung von 4,2 Milliarden Euro erreicht wird.

SPNV in Städten und Ländern braucht angemessene Finanzierung 

Kritik übte der Verband am Bundesfinanzministerium (BMF). Die Haushälter haben jüngst einer Erhöhung der Regionalisierungsmittel, wie sie die Länder zur Finanzierung des SPNV in Städten und Regionen ab 2015 fordern, eine Absage erteilt. Eine Einigung über die Regionalisierungsmittel will das BMF nur im Paket mit anderen Bund-Länder-Finanzfragen lösen. „Dieses Vorgehen birgt die Gefahr, dass die Regionalisierungsmittel zur Manövriermasse zwischen Bund und Ländern werden“, erklärte Lange. „Die Regionalisierungsmittel dürfen nicht wieder, wie bereits in der Vergangenheit, empfindlichen Kürzungen ausgesetzt werden. Das führte zur Abbestellung von Verkehrsleistungen und zu Kompensationszahlungen der ohnehin finanziell klammen Länder“, betonte der VDB-Präsident. „Allein die ständig steigenden Kosten für die Nutzung der Schienenwege und Bahnhöfe aber auch die zunehmenden Energiekosten machen bereits 50 Prozent der Gesamtkosten für den SPNV-Betrieb aus. Deshalb ist eine angemessene Erhöhung der Finanzmittel unumgänglich.“ Der Verband bemängelt auch, dass in Deutschland seit Langem ein nationales Schlüsselprogramm für den Schienenverkehr fehlt. Die Bahnindustrie begrüßt deshalb den Vorschlag des Bundesverkehrsministers, eine „Digitale Agenda“ auflegen zu wollen. Sie sollte allerdings um das Zukunftsthema „Bahnautomatisierung“ erweitert werden. „Denn Europa hat im Sommer dieses Jahres mit dem groß angelegten Bahnforschungsprogramm Shift2Rail ein starkes Signal gesetzt. Dieser Wind kann und sollte ein guter Ansporn sein, um dem größten Eisenbahnland Europas mit dem Verkehrsträger Schiene und einer zusätzlichen nationalen Offensive zur Digitalisierung und Automatisierung – kurz Eisenbahn 4.0 – weiter einen Platz an der Weltspitze zu sichern.“

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