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Pressemitteilungen VDB-Jahrespressekonferenz

Bahnindustrie erzielt 2013 Auftragsrekord / Kritik an geschäftlichen Rahmenbedingungen / Schienenwege eklatant unterfinanziert

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Die Bahntechnikhersteller in Deutschland erreichten 2013 mit 14,9 Milliarden Euro einen neuen Auftragsrekord. Er fiel mit einem Anstieg von 42 Prozent gegenüber einem schwachen Jahr 2012 unerwartet hoch aus. Getragen war dieser Zuwachs von Bestellungen für  Züge, Lokomotiven und deren Komponenten. Ihre Nachfrage stieg um 56 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro. Rückläufig war indes der Umsatz der Branche. Mit zehn Milliarden Euro lag er um 6,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das Geschäft mit Infrastrukturausrüstungen zeigte sich ohne Impulse. Die Zahl der Beschäftigten blieb mit insgesamt 50.100 Mitarbeitern stabil.

„Schienenfahrzeuge und deren Technologiekomponenten aus Deutschland waren noch nie so stark nachgefragt wie 2013. Trotz eines deutlich zunehmenden internationalen Wettbewerbs entscheiden sich Eisenbahnverkehrsunternehmen aus aller Welt für hochqualitative Produkte aus Deutschland“, erklärte der Präsident des VDB, Michael Clausecker, bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Berlin. Gerade im Ausland stiegen die Bestellungen von Lokomotiven, Zügen und deren Komponenten im vergangenen Jahr für deutsche Hersteller besonders stark auf über sechs Milliarden Euro. Auch die Inlandsnachfrage legte in diesem Segment auf ein Volumen von 5,6 Milliarden Euro zu. Die Auftragsbücher der Bahnindustrie sind somit nach dem spürbaren Auftragsknick des Jahres 2012 wieder gut gefüllt.

Überschattet wird das starke Nachfragewachstum von einem rückläufigen Umsatz. Er ging gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent auf zehn Milliarden Euro zurück. Clausecker machte hierfür das in den vergangenen Jahren schwache Geschäft mit Lokomotiven verantwortlich. Außerdem drückten die Folgen der Zulassungskrise den Umsatz der Branche ins Minus. „Das erste Halbjahr 2013 stand noch unter dem Vorzeichen eines Zulassungsstaus“, sagte Clausecker. „Dank der durch das Bundesverkehrsministerium Ende Juni 2013 in Kraft gesetzten Übergangsregelung hat sich die Lage inzwischen geändert. Die Zulassungsverfahren konnten unter dem neuen Zulassungsregime Schritt für Schritt vereinfacht und beschleunigt werden.“

Unbefriedigend war aus Sicht der Bahnindustrie einmal mehr das schwache Geschäft mit Infrastrukturausrüstungen: Der Umsatz stieg zwar 2013 um 3,6 Prozent und erreichte 2,9 Milliarden Euro. Das Inlandsgeschäft stagnierte aber mit 1,8 Milliarden Euro unverändert auf Vorjahresniveau. Die Nachfrage stieg in diesem Segment 2013 insgesamt um 6,7 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Auch hier herrschte mit 1,7 Milliarden Euro Stagnation im Inland, während die Auslandsnachfrage um 200 Millionen Euro leicht zulegen konnte.

Schienenverkehrsnetz braucht angemessenen Finanzrahmen

Clausecker monierte, dass die Schienenwege in Deutschland seit Jahren eklatant unterfinanziert seien. Das werde besonders bei den Ersatzinvestitionen für das Schienenbestandsnetz deutlich. In den zurückliegenden fünf Jahren hat der Bund dafür jährlich 2,5 Milliarden Euro bereitgestellt. Für die Jahre 2013 und 2014 hat das Bundesverkehrsministerium seine Investitionsmittel um jährlich 250 Millionen Euro angehoben. „Die Finanzmittel reichen bei Weitem nicht aus und werden der hohen Nutzungsintensität des deutschen Schienennetzes schon lange nicht mehr gerecht. Die Qualität und Verfügbarkeit unserer Infrastruktur fällt im europäischen Vergleich immer stärker zurück und im weltweiten Maßstab sowieso“, betonte Clausecker. „Nicht nur der VDB hält eine Anhebung der Finanzausstattung allein durch den Bund auf jährlich mindestens 3,5 Milliarden Euro für unerlässlich. Sonst steigt das Durchschnittsalter der bestehenden Schieneninfrastruktur in Deutschland weiter an.“

Kritik übte der VDB auch an der politisch bislang ungeklärten Fortsetzung der sogenannten Regionalisierungsmittel, die Ende 2014 auslaufen. Mit ihnen finanziert der Bund über die Länder den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Deutschland. Die Zuschüsse wurden in der Vergangenheit mehrfach empfindlich gekürzt. Dadurch fällt es den Ländern schwerer, ihren Verkehrsauftrag für bürgerfreundliche Mobilität zu erfüllen. „Die fortgesetzte Zahlung der Regionalisierungsmittel muss auf dem Sockelbetrag des Jahres 2014 in Höhe von 7,3 Milliarden Euro aufsetzen und eine jährliche Dynamisierung von 2,5 Prozent vorsehen“, erklärte VDB-Hauptgeschäftsführer Ronald Pörner. „Andernfalls könnte die Leistungsfähigkeit des umweltfreundlichen SPNV eingeschränkt werden. Das ist den Bürgern weder vermittel- noch zumutbar. Hier ist außerdem politisch höchste Eile geboten, um den Bestellern wie Betreibern von SPNV mit einer progressiven Fortschreibung der Regionalisierungsmittel die nötige Planungssicherheit zu geben“, forderte Pörner.

Mit Unverständnis reagiert der VDB auf die Überregulierung von Service-Werkstätten für Schienenfahrzeuge durch die Bundesnetzagentur: „Hier geraten gerade Teile der Bahnindustrie in das Räderwerk einer unnötigen Wettbewerbsregulierung“, kritisierte Pörner. „Sie schränkt ein funktionierendes und höchst wettbewerbsintensives Geschäftsfeld ein. Die betroffenen Unternehmen unserer Branche zahlen dafür den hohen Preis ihrer unternehmerischen Freiheit. Ein schnellstmöglich erlassenes Moratorium zur Aussetzung der unnötigen Regelung könnte weiteren unternehmerischen Schaden abwenden.“

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