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Bahnindustrie erreicht im ersten Halbjahr 2016 neuen Umsatzrekord / Infrastrukturgeschäft weit hinter Erwartungen

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Die Bahnindustrie in Deutschland erreicht in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen neuen Umsatzrekord. Der Umsatz der Branche stieg auf 5,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Auslandsgeschäft zog etwas kräftiger an als das des Inlands. Die Exportquote steigt auf 54 Prozent. Dank eines Auftragsrekords im Gesamtjahr 2015 von 15 Milliarden Euro hat die Branche mehrheitlich gut gefüllte Auftragsbücher. Allerdings stagniert das Geschäft mit Infrastrukturausrüstungen weiter, obwohl die Finanzmittel für den Erhalt der Schieneninfrastruktur in Deutschland seit Anfang 2015 jährlich im Durchschnitt um eine Milliarde Euro erhöht wurden. Die aktuelle Nachfrage nach Bahntechnik geht insgesamt um fast ein Viertel zurück, bedingt durch insgesamt schwierige Marktbedingungen. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei 51.000.

„Die Bahnindustrie in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2016 einen neuen Umsatzrekord verbucht. Und die Exportquote stieg auf 54 Prozent. Beides zeigt: Diese Industrie ist eine Schlüsselbranche für Deutschland, innovativ und global führend“, sagte der VDB-Präsident Volker Schenk heute auf der Halbjahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin. „Jetzt nimmt die Digitalisierung der Schiene Fahrt auf – eine gemeinsame Aufgabe für Industrie, Betreiber und Politik. Denn es geht jetzt darum, bei dieser fundamentalen Innovationswelle führend zu sein“, äußerte Schenk.

Das Geschäft mit Schienenfahrzeugen macht rund Dreiviertel des Umsatzes aus. Als besonders wichtig für die Branche erweist sich dabei das Auslandsgeschäft. Es erreicht in den ersten sechs Monaten des Jahres ein Volumen von 2,4 Milliarden Euro und wächst um gut neun Prozent. Auch das heimische Geschäft mit rollendem Material legt leicht zu auf 1,7 Milliarden Euro.

Dagegen zeigt sich die Branche vom Geschäft mit Infrastrukturausrüstungen einmal mehr auf ganzer Linie enttäuscht. Die Umsätze stagnieren hier seit Jahren und bewegen sich im ersten Halbjahr auf einem niedrigen Niveau von 1,4 Milliarden Euro. Ohne Entwicklung zeigt sich auch das In- und Auslandsgeschäft mit Infrastrukturausrüstungen, im heimischen Markt mit 800 Millionen Euro, im Ausland bei 600 Millionen Euro. „Das Geschäft mit Infrastrukturausrüstungen ist eine Sorge der Bahnindustrie“, so Schenk. „Es bleibt ein Segment, dem wirtschaftliche Impulse fehlen. Und das trotz der seit Anfang 2015 erhöhten Finanzausstattung für Ersatzinvestitionen im Schienenbestandsnetz. Bei den Infrastrukturausrüstern unserer Branche macht sich das bislang nicht bemerkbar. Jetzt müssen wir gemeinsam handeln, damit die Investitionsmittel rasch in der Infrastruktur ankommen.“ Entscheidend sei es, die Infrastruktur grundlegend zu modernisieren. Dazu gehörten elektronische Stellwerke, digitale Bahnübergangssysteme und ein klarer Fokus auf den Lärmschutz. Denn: „Lärmschutz ist die Basis für die Akzeptanz des Schienenverkehrs bei den Bürgerinnen und Bürgern. Dabei muss beides leiser werden: die Fahrzeuge und die Schienenwege“, so Schenk.

„Das globale Umfeld ist aktuell nicht leichter geworden“, erklärte Schenk. Während im ersten Halbjahr 2016 die Inlandsbestellungen auf einem guten Niveau stabil blieben, sanken die Auslandsbestellungen um gut 46 Prozent. Die Nachfrage nach Bahntechnik ging so insgesamt um fast ein Viertel zurück. „Angesichts des mehrheitlich guten Auftragsbestands in der Bahnindustrie ist der aktuelle Auftragsrückgang noch kein Warnindikator. Er ist für das stark zyklische Geschäft unserer Branche durchaus typisch. Dennoch haben sich die wirtschaftlichen Aussichten für unsere Branche angesichts der rückläufigen Nachfrageentwicklung im ersten Halbjahr 2016 etwas eingetrübt“, sagte Schenk. Ihm machten Tendenzen zur Marktabschottung und auch die Ölpreisentwicklung Sorge. „Ich bin überzeugt, dass die sehr erfolgreiche Leitmesse InnoTrans Impulse gesetzt hat. Die werden wir in den kommenden Monaten sehen.“ Für den Rückgang bei der Beschäftigung um 3,6 Prozent auf 51.000 Mitarbeiter sieht die Bahnindustrie in Deutschland insbesondere einen Konsolidierungskurs in der Branche am Werk, der schon im vergangen Jahr einsetzte und sich in diesem Jahr fortsetze. Dabei würden nun sukzessive Überkapazitäten abgebaut, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

„Ziel muss es sein, für den digitalen Schienenverkehr der Zukunft Leitanbieter und Leitmarkt zu sein“, sagte VDB-Hauptgeschäftsführer Ben Möbius. Dafür müsse die Politik gemeinsam mit Industrie und Betreibern handeln. „Das Memorandum of Understanding des Bundesverkehrsministeriums, der Deutschen Bahn und des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland hat im Juni dieses Jahres den Startschuss für Schiene 4.0 made in Germany gegeben“, so Möbius. „Jetzt muss es darum gehen, die vereinbarten Strategien gemeinsam ins Werk zu setzen. Der Bund muss Forschung und Entwicklung im Bahnsektor offensiver unterstützen, das Schienennetz rasch mit ETCS, digitalen Stellwerken und modernen Bahnübergängen ausrüsten. Politik, Betreiber und Industrie müssen Pilotprojekte für Schiene 4.0 in Deutschland verwirklichen, zum Beispiel in Berlin, und die Breitbandversorgung des Zugverkehrs sichern.“

„Auf der Leitmesse InnoTrans vor einem Monat in Berlin war es mit Händen greifbar: Die Digtalisierung der Schiene kommt rasant voran. Nicht zufällig gab es auf der Messe einen fulminanten neuen Besucher- und Ausstellerrekord“, äußerte Möbius. „Deutschland muss seinen Ordnungsrahmen rasch verbessern, um die Chancen für einen noch effizienteren, klimafreundlicheren Schienenverkehr zu nutzen – im Export wie zu Hause.“

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