Logo
VDB-Politikbriefe Markt & Mobilität

Digitalisierung: Moderne Stellwerktechnik endlich flächendeckend einsetzen

Die Digitalisierung von Schienenfahrzeugen und deren Infrastruktur revolutioniert den Bahnbetrieb. Die Unternehmen der Bahnindustrie in Deutschland sind bei vielen Innovationen global führend und exportieren ihre Produkte in die ganze Welt, zum Beispiel digitale Stellwerke. Doch ausgerechnet in der Heimat hinkt die Umrüstung auf moderne Stellwerkstechnik hinterher – die Politik muss Investitionen in die Schiene 4.0 jetzt vorantreiben.

Veröffentlicht am

Digitale Stellwerke: Dezentral, vernetzt, intelligent

Leistungsfähige Stellwerke sind wesentlich für einen sicheren Eisenbahnbetrieb. Entlang der Strecke überwachen und steuern sie den Zugverkehr. Von hier aus werden etwa Weichen oder Signale gestellt. Umso erstaunlicher: In Zeiten von Smart Home und Industrie 4.0 verharrt der technologische Stand der Schaltzentralen von Deutschlands Schienennetz zu einem Großteil auf Vorkriegsniveau. So hat ein Drittel der 3 400 Stellwerke ein Durchschnittsalter von 80 Jahren, weitere 13 Prozent von 65 Jahren. Weichen etwa werden mit Hebeln und Knöpfen gestellt, überwacht wird der Schienenverkehr teils ausschließlich auf Sicht. Dabei stehen mit digitalen Stellwerken längst zukunftsorientierte Alternativen zur Verfügung. Ihr flächendeckender Einsatz würde den Bahnbetrieb revolutionieren: 

• Dezentrale Steuerung: Alte Stellwerke sind ortsgebunden und nur für einen sehr begrenzten Streckenabschnitt zuständig. Die digitalen Schaltzentralen beeinflussen unabhängig von ihrem Standort weite Teile des Bahnnetzes – ein Stellwerk in Hamburg kann bei Bedarf ein Signal in Koblenz schalten.

• Vernetzter Schienenverkehr: Modernste Computersysteme orten Züge punktgenau und errechnen in Echtzeit, wer wo fahren darf. Entsprechend schalten sie Signale, stellen Weichen und drosseln oder erhöhen die Geschwindigkeit eines Zuges.

• Intelligente Wartungstechnik: Digitale Stellwerke prüfen mithilfe von Sensoren entlang der Schienen den Zustand der passierenden Fahrzeuge sowie der Strecke. Etwaigen Wartungs- oder Reparaturbedarf melden sie sofort an die Zentrale.

Europa auf der Schiene: Nur mit digitalen Stellwerken möglich

Darüber hinaus sind digitale Stellwerke die zwingende Voraussetzung, um das europäische Leit- und Sicherungssystem ETCS einsetzen zu können. Diese Technologie soll die rund 20 verschiedenen Zugicherungssysteme ablösen, die in den europäischen Ländern derzeit existieren. Der heutige Flickenteppich erschwert den grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr erheblich. So müssen Züge und Loks entweder die verschiedenen Systeme an Bord haben oder an der Grenze ausgetauscht werden.  Die Bundesregierung ist hier in der Pflicht, zumindest die vier transeuropäischen Schienenkorridore (siehe Grafik) sehr zeitnah auszurüsten.

Konsequent auf digitale Stellwerke umrüsten

Deutschland droht in Sachen Digitalisierung der Schiene den Anschluss zu verlieren. Während Nachbarländer wie Belgien, Dänemark oder die Schweiz mit Hochdruck ihre komplette Leit- und Sicherheitstechnik auf den neuesten Stand bringen, verharrt der Anteil digitaler Stellwerke hierzulande bei gerade mal zwölf Prozent. Die Bundesregierung ist aufgerufen, konsequent Investitionen in digitale Stellwerkstechnik zu beschleunigen. So sollten Mittel in Höhe von 400 Millionen Euro aus dem Investitionsprogramm 2016 bis 2018 für die Umrüstung genutzt werden.

Dieser Artikel ist im VDB-Politikbriefes 01/2016 erschienen. Hier können Sie die vollständige Ausgabe herunterladen.

Benutzeranmeldung

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
Anmelden
Kennwort vergessen?