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Bahnsystem 4.0: Schienennetz mit elektronischen Stellwerken modernisieren

Die Digitalisierung verändert den Bahnsektor grundlegend. Mobilität auf der Schiene wird noch nachhaltiger, noch klimaschonender und leiser. Zu den wichtigsten Innovationen für die Schieneninfrastruktur zählen elektronische Stellwerke. Sie tragen dazu bei, das System Bahn auf das Technologieniveau 4.0 zu heben. Ihr Einsatz ermöglicht mehr Verkehr auf der bestehenden Infrastruktur, mehr Pünktlichkeit für Reisende und geringere Kosten für die Betreiber. Doch während andere EU-Länder ihre Eisenbahnstrecken längst mit Hochdruck umrüsten, zögert die deutsche Politik. Das Land droht hier den Anschluss zu verlieren.

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Infrastruktur in Deutschland veraltet

Stellwerke bilden das zentrale Nervensystem eines pünktlichen und zuverlässigen Schienenverkehrs, denn sie steuern Weichen, Signale und Bahnübergänge. Fällt nur ein Stellwerk aus, kann dies eine Kettenreaktion im Fern- und Regionalverkehr auslösen – wie in Mainz 2013 geschehen. Umso bedenklicher daher, dass ein Großteil der hiesigen Technik veraltet ist. So hat ein Drittel der 3.400 Stellwerke in Deutschland ein Durchschnittsalter von 80 Jahren, die ältesten stammen noch aus Kaisers Zeiten mit Baujahren ab 1900. Die Folgen sind steigende Ausfallraten, die den Schienenverkehr zunehmend beeinträchtigen.

Konsequent auf elektronische Stellwerke umrüsten

Dabei existieren längst Alternativen: Elektronische Stellwerke verringern die Störanfälligkeit und senken den Aufwand für Wartung. Die digitale Technologie bietet Lösungen für zentrale politische Herausforderungen:

  • Verkehrswachstum: Sie ermöglichen mehr Verkehr auf der Schiene, indem Züge via Computer koordiniert und die Infrastruktur effizienter genutzt werden. So können durch den Einsatz von ETCS gegenüber der Punktzugbeeinflussung Kapazitätssteigerungen von mehr als 40 Prozent erreicht werden, abhängig vom eingesetzten ETCS-Level. Das entlastet insbesondere die Straßen – davon profitiert auch die Umwelt.
  • Lärmschutz: Elektronische Leittechnik führt zu vorausschauendem Fahren in Perfektion. Die Züge emittieren damit weniger Lärm, da etwa abruptes Bremsen und überm..iges Beschleunigen vermieden werden.
  • Europa auf der Schiene: Unterschiedliche Techniken in den EU-Ländern hemmen den grenzüberschreitenden Schienenverkehr. Elektronische Stellwerke sind Voraussetzung, um das einheitliche europäische Leit- und Sicherungssystem ETCS einzuführen.

Deutschland zum Leitmarkt machen

Allen Vorteilen zum Trotz verharrt der Anteil elektronischer Stellwerke in Deutschland derzeit bei gerade mal zwölf Prozent. Ändert sich daran nichts, droht Deutschland wesentliche Chancen zu verspielen: An Standorten wie Braunschweig, München oder Berlin entstehen heute in enger Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft modernste Technologien. Sie sichern hierzulande Arbeitsplätze und Knowhow. Doch um weiterhin Marktführer zu bleiben, brauchen die Anbieter einen Leitmarkt Deutschland. Denn in der Bahntechnikbranche gewinnen internationale Kunden nicht anhand von Reißbrettvorlagen Vertrauen zu neuen Produkten, sondern sie möchten die Techniken vor Ort und im Einsatz begutachten.

Was die Politik tun kann? – Viel. Sie kann etwa dafür Sorge tragen, dass die modernste Neubaustrecke Deutschlands über Halle – Erfurt – Nürnberg – München pünktlich bis Ende 2017 ausgebaut wird. Und die Bundesregierung sollte wesentliche Mittel aus dem Investitionsprogramm 2016 – 2018 für die Umrüstung auf elektronische Stellwerke vorsehen.

Dieser Artikel ist im VDB-Politikbriefes 02/2015 erschienen. Hier können Sie die vollständige Ausgabe herunterladen.

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